Fintechs aus Deutschland, die Sie kennen müssen

Fintechs aus Deutschland, die Sie kennen müssen

Wenn Handelsmanager heute nach technischen Innovationen für ihre Branche suchen, richtet sich der Blick nach China. Unter dem Schlagwort “New Retail” setzt dort der Konzern Alibaba Maßstäbe bei Service und Technologie. Der starke Finanzarm von Alibaba ist der Bezahldienst Alipay. Damit können chinesische Kunden auch in immer mehr Geschäften in Deutschland einkaufen. Weniger bekannt ist dabei die eher dunkle Seite des Fintechs.

Ob es sich bei den Kooperationen zwischen Banken und Fintechs um Zweckgemeinschaften oder echte Liebesheiraten handelt, wird erst die Zukunft zeigen. Fest steht aber, dass sich die Startups und Institute nicht mehr feindselig gegenüberstehen. Und es gibt eine ganze Reihe von spannenden Gründungen, die wir Ihnen heute vorstellen.

Die Studie „Kooperieren statt konkurrieren“ von PwC aus dem Juni 2018[1] zeigt eine freundliche Annäherung. Demnach haben bereits 88 Prozent der Banken Kooperationen mit Fintechs fest in ihrer strategischen Planung verankert. 90 Prozent der Beteiligten sind mit ihren Kooperationen zufrieden. Die Studie zeigt aber auch einen deutlichen Trend bei den Fintechs. Gemäß der Studienautoren sind 60 Prozent der für die Zukunft geplanten Kooperationen in den Bereichen B2B und jenseits des klassischen Bankings geplant.

Unter den Fintechs gibt es bereits einige, die sich erfolgreich etabliert haben. Eine gemeinsam von H2 Ventures und KPMG durchgeführte Untersuchung[2], listet weltweit 100 Fintech-Startups auf. Darunter stammen 5 aus Deutschland: Kreditech, solarisBank, Spotcap, Clark Germany und Raisin (Weltsparen).

Doch auch abseits dieser arrivierten Fintechs gibt es spannende Startups, von denen zumindest eines gute Chancen haben dürfte, bei der nächsten Zusammenstellung von KPMG gelistet zu werden.

Figo – für den Datenaustausch zwischen Banken und Fintechs

Das Startup hat nach einem Pivot zu seiner endgültigen Rolle gefunden, die es sehr erfolgreich ausfüllt. Figo hat eine technologische Plattform entwickelt, durch deren Einbindung Firmen und Banken die Daten unterschiedlicher Quellen selbst nutzen können. Dazu zählen beispielsweise Daten von Bankkonten, Kreditkarten, Depots, Paypal sowie anderen FinTechs. Zu den Kunden des B2B-Anbieters gehörten zunächst Firmen, die Buchhaltung automatisieren, oder Bonitätsprüfungen vereinfachen wollen. Inzwischen zählt Figo auch Banken als Kunden. Diese können über die Datenschnittstelle neue Serviceangebote entwickeln und so den eigenen Kunden Mehrwerte bieten. (https://www.figo.io)

Finleap der Fintech-Company-Builder

FinLeap wurde 2014 als Inkubator für die Fintech-Szene gegründet. Das ehrgeizige Ziel des Unternehmens lautet, die Digitalisierung der Finanzbranche voranzutreiben. Im Fokus stehen der Aufbau und die Unterstützung von Fintechs. Diese können auf die bereits ausgebaute Infrastruktur des Unternehmens zugreifen. Der Ansatz ist damit vergleichbar mit Rocket Internet oder der Global Fashion Group von Zalando. Angebote des Company-Builders sind beispielsweise der Kontowechsel-Service Finreach und der Vertragsmanager Moneymap, die zusammengelegt werden. (https://www.finleap.com/)

bonify analysiert Bonität und will Finanzen optimieren

Das Fintech wendet sich direkt an die Konsumenten. Per App oder Website können sich die Kunden einen persönlichen Bonitätsscore abrufen, den Bonify über die Abfrage verschiedener Auskunfteien einholt. Das Angebot ist kostenlos. In der App erhalten die Nutzer bei Bedarf Hinweise, wie sie auf Basis ihrer Bonität die eigenen Finanzen optimieren. Geld verdient das Unternehmen über Vermittlungsprovisionen, wenn sich der Kunden entschließt, über die integrierten Vergleichsrechner beispielsweise einen Kredit abzuschließen. (https://www.bonify.de/)

Kapilendo bietet Kredite für den Mittelstand

Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen ist es nicht immer leicht, ihre Vorhaben mit einem Kredit zu finanzieren. Die Vergabekriterien der Banken sind streng. Eine Alternative zur klassischen Bank will Kapilendo sein. Es handelt sich um einen Online-Kreditmarktplatz, auf dem private Investoren in Unternehmen oder Produkte mittelständischer Unternehmen investieren können. Statt einer Bank schultern beim Crowdinvesting die privaten Investoren die Kreditlast und erhalten dafür über relativ kurze Laufzeiten eine attraktive Verzinsung. Sie gehen aber das gleiche Risiko der Banken ein. Schafft es das Unternehmen nicht, ist die Einlage in den Kredit verloren. (https://www.kapilendo.de)

Fincompare vergleicht Unternehmensfinanzierungen

Das Geschäftsmodell des Unternehmens hat Mitgründer Stephan Heller knackig zusammengefasst. Fincompare sei das „Interhyp für KMU-Kredite“. Das Startup folgt dem Fintech-Trend verstärkt Unternehmenskunden anzusprechen. Was Baugeldfinanzierer Interhyp für den Privatkunden, will Fincompare für Unternehmen sein. Kleinere Firmen stellen hier eine konkrete Finanzierungsfrage und erhalten Angebote für Kredite, Factoring, Warenkäufe oder auch Lagerfinanzierungen. Dabei greift das Unternehmen auf die Angebote zahlreicher im Markt bekannte Produktgeber zurück. An dem Unternehmen hat sich ING Ventures mit 10 Millionen Euro beteiligt. (https://fincompare.de/)

Die Fintech-Szene blüht und gedeiht also. Es bleibt spannend, wer sich im nächsten Ranking von KPMG als arriviert bezeichnen darf. Von seiner Technologie und Kundenbasis dürfte Figo hier einer der aussichtsreichsten Kandidaten sein.

 

[1]https://www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/digital/kooperieren-statt-konkurrieren.html

[2]https://home.kpmg.com/at/de/home/media/press-releases/2017/11/kpmg-h2ventures-ranking-fintech100.html

Share This