Sprengt PSD2 das traditionelle Bankwesen?

Sprengt PSD2 das traditionelle Bankwesen? 

Seit Mitte Januar gilt die neue Richtlinie für Zahlungsdienste PSD2 („Payment Service Directive 2“). Die den meisten Kunden unbekannte Verordnung besitzt für das Bankenwesen durchaus Sprengkraft.

Die neue Zahlungsrichtlinie wurde von der EU-Kommission 2015 erlassen, um den Bereich des Online-Bankings neu zu regulieren.

Seit Mitte Januar gilt die neue Richtlinie für Zahlungsdienste PSD2 („Payment Service Directive 2“). Die den meisten Kunden unbekannte Verordnung besitzt für das Bankenwesen durchaus Sprengkraft.

Die neue Zahlungsrichtlinie wurde von der EU-Kommission 2015 erlassen, um den Bereich des Online-Bankings neu zu regulieren.

Welche Folgen hat die PSD2?

Bis Ende 2017 hatten die EU-Mitgliedsstaaten Zeit, die neue Richtlinie in nationale Gesetzgebung umzusetzen. Seit Januar 2018 ist die Verordnung nun in Kraft. Im Kern schafft die PSD2 das Monopol der Banken über die Kontodaten ihrer Kunden ab. Die Kreditinstitute sind angehalten, die Daten der Kunden über Schnittstellen auch Dritten zur Verfügung zu stellen, und zwar kostenlos. Innerhalb der Kreditwirtschaft wird dies entsprechend kritisch gesehen, denn die Umsetzung der Richtlinie wird ohne Investitionen in die IT-Infrastruktur kaum möglich sein.

(K)Ein Ende des Bankgeheimnisses

Die neue Richtlinie definiert, wie Zahlungsdienstleister in das bestehende Finanzwesen eingebunden werden. In einigen Redaktionen hat das zu deutlicher Verwirrung geführt. In nicht wenigen Artikeln wurde bereits das Ende des Bankgeheimnisses eingeläutet. Solche Fehleinschätzungen führten dann sogar zu Schlagzeilen wie „Amazon weiß bald, was Sie verdienen“.

Das ist sowohl faktisch als auch inhaltlich falsch. Zum einen gibt es wohl kaum ein Unternehmen, das derartig viel über seine Kunden weiß wie Amazon. Zum anderen ist die Weitergabe von Kontodaten von der Erlaubnis durch den Kunden abhängig. Der Zugriff auf die Kontodaten erfolgt nach wie vor über die Hausbank des Kunden und ist an eine Zweckbestimmung gebunden. Das ergibt sich schon allein aus der Europäischen Datenschutz-Grundvordnung.

Wer von der PSD2 profitiert

Zu den Gewinnern der neuen Richtlinie gehören ohne Zweifel sogenannte „Zahlauslöse-Dienste“, die Payment Initiation Service Provider, denn es wird der rechtliche Rahmen für die Einführung von Echtzeitzahlungen („Instant Payments“) in größerem Stil gelegt. Und dort könnte auch das Missverständnis im Zusammenhang mit Amazon seine Grundlage haben.

Denn das US-Unternehmen bietet auch eigene Finanzdienstleistungen an. Zum Beispiel Amazon Pay, das bei Händlern durchaus beliebt ist. Der Kunde meldet sich im Shop mit seinem Amazon-Konto an und Amazon kümmert sich auch um den Einzug des Geldes. Dabei bevorzugt das Unternehmen das Lastschriftverfahren, das aber bekanntlich nicht risikolos ist, da Kunden dem Einzug des Geldes widersprechen können.

Bei Instant Payments dagegen wird das Geld binnen Sekunden übertragen. Ist keine Deckung vorhanden, schlägt die Zahlung fehl. Ausgelöst werden solche Transaktionen von den Payment Initiation Service Providern, die zwischen Bank und Händler sitzen. Einen solchen eigenen Auslösedienst werden sich im Zweifel nur große Händler wie Amazon leisten können. Kleinere Händler dürften wie gewohnt auf einen Dienstleister zurückgreifen.

Profitieren werden auch „Account Information Service Provider (AISP)“. Denn sie sollen den Kunden einen transparenten Überblick über alle Konten bieten. Kunden, die über mehrere Bankverbindungen verfügen, können dann einen gesammelten Überblick über alle Kontostände abrufen. AISP sind Aggregatoren, die Informationen von mehreren Konten an einem Ort zusammenführen.

Beide Ansätze sind für die Kreditwirtschaft nicht ganz ungefährlich.

PSD2 birgt Gefahren für das Bankenwesen

Für die Kreditinstitute bedeutet die neue Richtlinie zunächst einmal technischen Aufwand und damit Investitionen. Dazu gehören nicht nur die Entwicklung und Bereitstellung von Schnittstellen für den Datenzugriff. PSD2 enthält darüber hinaus weitere technische Spezifikationen, wie etwa die Absicherungen von Transaktionen mittels einer Zwei-Faktor-Authentifizierung.

In der Praxis kann die Umsetzung einen spürbaren Einbruch auf die Einnahmen bedeuten. Darauf deutet bereits das Ergebnis einer Umfrage von PwC aus dem vergangenen Jahr hin 1. Demnach nutzen über alle Altersgruppen hinweg bereits wenigstens 20 Prozent der Kunden Finanzapps, die nicht von einer Bank herausgegeben wurden. Von diesen Nutzern setzt deutlich mehr als die Hälfte die Apps auch für klassischen Bankdienstleistungen wie Überweisungen oder das Bezahlen an der Kasse ein.

Diese Situation dürfte sich durch eine Zunahme von Payment Initiation Service Providern noch verschärfen. So versucht beispielsweise GS1 Germany mit dem Projekt HIPPOS einen Ersatz für die Lastschrift beim Bezahlen am POS zu etablieren. Dieser basiert auf Instant Payments 2. Die Abwicklung zwischen Kunde und Händler unter Einbeziehung eines Dienstleisters wird binnen Sekunden erfolgt sein. Noch ist unklar, wie Kreditinstitute an solchen Modellen verdienen sollen.

Der nachhaltige Erfolg von PayPal im Bereich Zahlungsverkehr hat bereits erwiesen, dass klassisches „Banking“ nicht gegen disruptive Tendenzen geschützt ist. Die PSD2 könnte solche Tendenzen noch beschleunigen. Denn wie die PwC-Umfrage zeigt, ist das Interesse der Kunden an von Dritten entwickelten Lösungen groß. Aggregierte Kontodaten in Anwendungen, die den Nutzern weitere Mehrwerte bieten, bergen für die Banken die Gefahr, einen weiteren Touchpoint beim Kunden zu verlieren.

Banken müssen handeln

Um nicht zu den Verlierern in diesem Spiel zu gehören, müssen die Kreditinstitute handeln und mehr für die Kundenbindung tun. Dazu könnte etwa die Entwicklung eigener Apps gehören, die auf die Kontoinformationen bei anderen Instituten zugreifen, aber eben auch Mehrwerte bieten. Mehr als sinnvoll dürfte die Intensivierung von Angeboten sein, die zur Kundenbindung beitragen. Ob ausgelagerte Mehrwertdienste rund um Giro- oder Kreditkarten oder die Integration von Zusatzleistungen zum Girokonto selbst, wie etwa mit Cyberpolicen oder verwandten Ansätzen.

 

1 https://www.pwc.de/de/pressemitteilungen/2017/pwc-umfrage-den-banken-drohen-die-kunden-davonzulaufen.html

2 https://www.lebensmittelzeitung.net/it-logistik/Instant-Payments-per-Handy-Handel-hofft-auf-Hippos-135745

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